[Rezension] Gerald Brom - der Kinderdieb





Titel: Der Kinderdieb
Autor: Gerald Brom
Preis: Gebundene Ausgabe scheinbar nicht mehr neu verfügbar, Taschenbuch 14,99 €.
Seiten: 664 Seiten
Format: gebunden
Verlag: PAN-Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2010




"Der Kinderdieb" ist eine neumodische, brutale Anlehnung an "Peter Pan", wobei aber auch dessen ursprüngliche Fassung alles andere als gut und fröhlich war.

"Der Kinderdieb" nennt sich Peter. Er ist auf der Suche nach Kindern und Jugendlichen, die in einer länger andauernden Notsituation stecken. Unter dem Vorwand, dass er sie zu einem viel besseren Ort mitnehmen würde, wo Abenteuer, Mysterien und magische Geschöpfe warten, bringt er sie ins Reich Avalon. Doch dort wartet keineswegs Spaß. Was Peter den Kindern verheimlicht: Das Land liegt im Sterben und wird außerdem von den sogenannten "Fleischfressern" bedroht. Die Kinder werden zu Kriegern ausgebildet und müssen ums Überleben und für die Rettung des Reiches kämpfen.




Das Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Anfangs gefiel es mir sehr gut. Alles hat gepasst: die Idee, die Umsetzung, der Schreibstil (simpel, aber ausschmückend). Fabelwesen, eine interessante Welt. Es war spannend. Doch mit zunehmender Seitenzahl wurde ich unzufriedener. Ich wusste nicht so recht, an welche Zielgruppe sich das Buch wenden will. Fortschreitend wurde das Thema düsterer, die Schilderungen brutaler, bis es letzten Endes auch zu Kämpfen auf Leben und Tod kam. 


Im Gegensatz dazu standen die Kinder, die sich entweder zu harten Kriegern entwickelt haben, oder aber noch ihrem alten Leben hinterhertrauern. Zu keinem von ihnen konnte ich wirklich eine Verbindung aufbauen. Das Verhalten war teils nicht ganz nachvollziehbar, wobei im Buch aber auch erklärt wurde, dass die Magie des Reichs Avalon, welches durch einen Nebel von der normalen Welt versteckt wird, die Kinder verzaubert, ihre Bedenken und Ängst mildert.

In der Mitte des Buches habe ich mal kurz die Lust daran verloren, dann die Geschichte aber doch wieder aufgegriffen, denn letztlich hat mich eben doch interessiert, worauf das ganze hinausläuft und wie die Charaktere verknüpft sind. Denn Avalon wird von rivalisierenden Gruppen bevölkert, die sich zur Rettung des Landes aber zusammenschließen müssten.


Im Laufe des Buches lernt man dann nicht nur die Seite der Kinder und Peter kennen, sondern erfährt auch mehr über die Bedrohung: die Fleischfresser. Interessanterweise stellt sich heraus, dass die Fleischfresser nicht einfach nur brutale Monster sind, sondern aus bestimmten, nachvollziehbaren und "verzeihbaren" Gründen handeln. Das Buch ist nicht nur von Brutalität geprägt, sondern hat auch sehr emotionale Parts. Immer wieder treten in diesem Buch interessante Gegensätze auf. Ein weiteres Beispiel: Einige Charaktere sind beispielsweise stark von Egoismus geprägt, während bei anderen die Gemeinschaft im Vordergrund steht. Diese Kontraste verleihen der Geschichte Tiefe und Lebendigkeit. Bei mir löste das Buch aber wenig Mitgefühl, sondern eher Wut aus: Darüber, dass der egoistische Peter die Kinder nur zu seinem eigenen Zweck und Wohlergehen nutzt und ihnen dabei keine Wahl lässt, sie gleichzeitig sogar noch entsprechend manipuliert.

Das Ende war überraschend und endete dann schließich mit einem großen Showdown. Es blieben keine Fragen offen.

Brom hat das Buch selbst illustriert. Vor jedem neuen Kapitel ist eine seitengroße schwarz-weiß Zeichnung abgedruckt. In der Mitte des Buches befinden sich außerdem mehrere glänzende, farbige Seiten, auf denen einige Charaktere abgebildet sind. Der Druck ist von guter Qualität. Mir persönlich gefallen die Zeichnungen auch stilistisch und thematisch gut. Sie sind düster, teils verstörend, teils brutal. Passend zum Inhalt des Buches.
 

Grundsätzlich könnte ich das Buch weiterempfehlen... nur weiß ich ehrlich gesagt nicht, an wen. An Kinder nicht, an ältere Jugendliche mit Hang zu Horrorgeschichten vielleicht. Wobei das Buch halt aber schon ordentlich mit Gewalt und Folter vollgepackt und irgendwie verstörend ist. Ich als Erwachsene konnte mich aber mit den jungen Kindern, die die Hauptrolle übernehmen, nicht so recht identifizieren. Alles in allem fand ich das Buch durchaus gut, aber komplett zufrieden lässt es mich nicht zurück.


1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Oh, das ist ja ein bisschen schade! Auch wenn du es letztendlich doch mit 4 Sternen bewertet hast!

    Ich fand das Buch damals ja super! Ob ich mich in die Kinder reinversetzen konnte, das weiß ich jetzt gar nicht mehr ... meine Erinnerung lässt mich da leider im Stich, ich weiß nur noch, dass ich es total abgefahren fand und gerade der Gegensatz mit den Kindern und der Brutalität sehr faszinierend war ^^

    Vielleicht sollte ich es ja nochmal lesen :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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