[Rezension] Joost Renders - Grimmstein (Sturzflug) | Kriminalroman




Titel: Grimmstein
Autor: Joost Renders
Preis: 4,99 €
Seiten: 226 Seiten
Format: eBook
Verlag: Digital Publishers
Erscheinungsdatum: 26. Dezember 2015

"Grimmstein ist fast eine Millionenstadt, aber auch nur fast. Vor vielen Jahren eine aufstrebende Industriestadt, heute nur noch eine vergessene Gegend. Der ideale Nährboden für Verbrechen, Korruption und Bandenwesen und genau das sind die verlässlichen Säulen auf denen Grimmstein heute steht. Das Wahrzeichen und auch der Namensgeber dieser Stadt ist der „Grimme Stein“, ein hoher Felsen, von dem auch gerne mal missliebige Leute hinunterfliegen.
Während die Nutznießer dieses Systems in ihren Villen den Blick auf schneebedeckte Berge genießen, leben in einem von grauen, hohen Wohnblöcken beherrschten engen Tal die Ärmsten der Stadt, die das „Amt für Arbeit und Basisleben“ wegen der niedrigen Mieten hier hin verfrachtet hat. Im Volksmund heißt dieses Viertel „Die Schlucht der Nutzlosen“.
Hier lebt auch der Mit-Dreißiger Gaston Krott. Der frühere Clown hat seit einem Bühnenunfall einen Geh-Fehler und schlägt sich als Versuchskaninchen für Pflegeschüler durch.
Das Leben des melancholischen Schwerenöters verläuft eher lethargisch und monton bis seine Nachbarin und Teilzeit Geliebte in ihrer Wohnung ermordet wird. Mitten in der Nacht wird er von der Polizei aus dem Bett gezerrt und verhaftet. Der junge aufstrebende, aber korrupte Inspektor Szluderpacheru ist wild entschlossen, Gaston Krott den Mord anzuhängen"

Mich persönlich hat "Grimmstein" dahingehend überrascht, dass dahinter keineswegs eine todernste Geschichte steckt, wie das Cover vermuten ließ. Vielmehr sind die Charaktere alle etwas schräg, torkeln eher unbeholfen durchs Leben und haben zum Teil lustig anmutende Namen. Auch der Erzählstil ist dementsprechend unterhaltsam-amüsant.
Ich persönlich hatte anfangs Probleme damit, mit den Namen der Personen zurechtzukommen, denn die waren bei manchen schon sehr ausgefallen. Bald habe ich mich dann aber doch daran gewöhnt.

Der Hauptcharakter, Gaston Krott, ist ein ehemaliger Clown, welcher wegen Verdacht auf Mord verhaftet wird und dann allerdings fliehen kann. Er ist ein liebenswerter, etwas schrulliger Charakter. Mir kommt er aber deutlich anders vor als die ~35 Jahre (Mitte dreißig), die er sein soll. Zum einen hatte ich immer einen deutlichen älteren Mann vor Augen - wegen dem Humpeln. Zum anderen einen deutlichen jüngeren - wegen der irgendwie tapsigen, unbesorgten jugendlichen Art. Da hat sich bei mir bis zum Ende kein wirklich rundes Bild eingestellt. Da war immer so eine störende Diskrepanz vorhanden.
Die übrigen Prota- und Antagonisten sind ebenfalls alle recht charakteristisch. Die gefielen mir gut und haben sich schön ins Gesamtbild eingefügt.

Der Plot erschien mir anfangs interessant und myteriös. Es hat sich aber herausgestellt, dass das Ganze dann doch nicht so spannend ist - leider. Viel mehr wurden die Hauptcharaktere durch Zufälle von einer Szene zur nächsten durch die Geschichte getragen und es gab keine wirklich Ermittlungsarbeit, wie ich es eigentlich erwartet habe. Generell auch eher wenig nützliche Eigeninitiative des Geflohenen und seiner Kumpanen.

Diesbezüglich bin ich doch ein bisschen enttäuscht, denn aufgrund des Klappentextes habe ich mir da mehr erwartet. Auch die korrupten Machenschaften, die in Grimmstein gang und gäbe sein sollen, fand ich wenig fesselnd, relativ seicht. Ich konnte da noch keine zusammenhängende Struktur erkennen.

Nach Abschluss der letzten Seite hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte unvollendet ist. Der Cliffhanger lässt vermuten, dass es noch einen weiteren Teil geben wird.

Insgesamt bin ich von "Grimmstein" weder komplett überzeugt, noch komplett enttäuscht. Es war unterhaltsam. Allerdings finde ich es schade, dass der Fokus so stark auf dieser lustig-unterhaltsamen Erzählart liegt und der Plot, der eigentlich sehr spannend hätte sein können, sehr stark in den Hintergrund gedrängt wird. Mir persönlich war das einfach ein bisschen zu einseitig orientiert. Ist sicher Geschmackssache, aber ich bevorzuge da ein ausgewogeneres Verhältnis.




*Rezensionsexemplar, vielen Dank!

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