[Rezension] Brett McBean - Die Mutter







Titel: Die Mutter
Autor: Brett McBean
Preis: 8.99€
Seiten: 368
Format: Taschenbuch
Verlag: Heyne Hardcore
Erscheinungsdatum: Juni 2012

Seit dem Tod ihrer Tochter Rebecca ist sie als Tramperin auf dem Hume Highway in Australien unterwegs: Die Mutter. Ihren Namen hat sie schon längstens vergessen. Ebenso woher sie kommt, wo sie gelebt hat, was sie früher gearbeitet hat. Sie lebt einzig und allein nur noch dafür, den Mörder ihrer Tochter, die per Anhalterin auf eben diesem Highway unterwegs war, zu finden. Sie weiß nur eins über ihn, von einem Anruf ihrer Tochter, als diese noch unterwegs und am Leben war. Er hat auf dem linken Arm einen Spruch tattoowiert: "STIRB, MUTTER". Jeder Fahrer, der sie mitnimmt, könnte der Killer sein - oder jemand viel Schlimmeres...

Zunächst muss ich sagen, dass das Buch ganz anders aufgebaut ist, als alle anderen Bücher, die ich vorher gelesen habe. "Die Mutter" trifft auf ihrer ewigen Reise über den Hume Highway auf die unterschiedlichsten Menschen, die sie mitnehmen oder die sie flüchtig kennenlernt. Jedes Kapitel trägt den Namen eines solchen, z.B. "Johnny, das Narbengesicht" oder "Dale, der verstörte Freund". Sie wechseln kontinuierlich, kaum eine Person bleibt länger als ein Kapitel bestehen. Einzig "Die Mutter" zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Diese abgehackten Kapitel fand ich zwar durchaus irgendwie interessant, experimentell und mal anders, aber ich hab mich in diesen Stil nicht so richtig reinfinden können und fand es bis ans Ende eher mühsam, das Buch zu lesen.

Außerdem ist in das Buch ein Brief der Mutter eingebaut, in dem sie zu erklären versucht, was passiert ist und warum sie sich auf diese Reise begibt. Er besteht aus vier Teilen und macht das Buch auf jeden Fall interessanter, als wenn es nur diese Roadstory allein wäre. Dadurch erfährt man einiges über ihr früheres Leben, woran sie sich während ihrem Trip auf dem Highway (der übrigens mehrere Jahre andauert) nicht mehr zu erinnern vermag.

Am Anfang des Buches - besser gesagt in den ersten zwei großen Abschnitten von drei - hat mich das Buch nicht so richtig mitgenommen. Ich fand es eher langweilig, der Schreibstil sagte mir nicht so zu und weder die Mutter noch die anderen Menschen, die man kennenlernt, haben mich wirklich berührt. Die Geschichte strahlte nicht die Intensität oder Verzweiflung aus, die ich erhofft hatte. Überhaupt trifft man auf zu viele Leute, die nicht so wirklich real erscheinen. Da ist zum Beispiel die Gruppe Jugendlicher, die die Mutter entführt und sie anlässlich eines Geburtstags vergewaltigt. Oder der Irre, der sie in sein Haus mitnimmt, in dem bereits seine eigene Mutter tot im Schlafzimmer liegt, und sie dort im Keller gefangen hält. Oder der Vampirjäger, auf den die Mutter gegen Ende des Buches trifft. Diese Leute haben mich davon abgehalten, richtig mit der Mutter mitzufühlen - denn sicherlich müsste man sie bemitleiden. Immerhin wurde ihre Tochter ermordet und sie hat deswegen ihr ganzes Leben aufgegeben und begibt sich stattdessen auf diese furchtbare Reise, die zur Obsession wird... . Mir erscheinen viele Sachen einfach zu sonderbar und zu übertrieben.

Dennoch gibt es vor allem gegen Ende des zweiten Teils bzw. im dritten einige Momente, die bei mir doch ungute Gefühle auslösen. Wo man die Verzweiflung richtig spüren kann. Und bis dahin hab ich mich auch mit dem Schreibstil abgefunden und kann des Rest "genießen". Allerdings wird die Geschichte immer trostloser. Und als die Mutter mehrmals Angebote ablehnt, ein neues Leben zu beginnen, steht fest, dass es sich um eine endlose Reise handeln wird. Bis zum Tod. Der letzte Teil des Briefes, den die Mutter vor Antritt ihrer Reise schrieb, verstärkt diese Vermutung und legt außerdem nochmal eine schockierende Wahrheit frei. Bis zum Ende des Buches hat sie den Mörder - natürlich - nicht gefunden. Denn mal ehrlich, wie wahrscheinlich wäre das denn schon? Stattdessen gibt sie sich selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter, die nach einem Streit einfach von zuhause losgezogen ist, um ihren Vater zu besuchen

"Stirb, Mutter" ist ein sehr passender Spruch, denn von Anfang an zerstört sie sich selber. Sie wird immer dünner, immer blasser und sieht immer kränker aus. Am Ende des Buches zieht sie einfach weiter. Das offene Ende lässt mich persönlich ziemlich unbefriedigt zurück, ich weiß aber auch nicht, was ich stattdessen lieber gehört hätte.

Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Buch, das vermutlich niemals ein Liebling von mir wird. Trotzdem fand ich es eine interessante Erfahrung. Erst nach über der Hälfte hab ich mich irgendwie damit arrangieren können. Dafür fand ich die trostlose, deprimierende Stimmung am Ende doch sehr gelungen. Ich finde das Buch ok, es enthält verschiedene Elemente aus Horror und Psychothriller. Insgesamt finde ich aber, dass "Die Mutter" schlichtweg zu viele Längen hat und die Personen sind mir alles andere als sympathisch - auch die Mutter selbst. Ich gebe dem Buch drei Zombies und eine unschlüssige Empfehlung. Manchen gefällt es, manchen nicht so.

1 Kommentar:

  1. dankeschön :)
    ich finds immer angenehmer aufzutragen als Flüssig Make-up.:)

    Grüsse ♥

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